Die Landesschülervertretung hat mit ihrer Forderung, die klassischen Hausaufgaben langfristig abzuschaffen, für Furore gesorgt. Nun zieht die Grüne Jugend mit ihr an einem Strang.

Die beiden heimischen Mitglieder im Landesvorstand der Grünen Jugend Hessen, Ann-Christine Herbold aus Wanfried und Felix Martin aus Wehretal, haben sich vor Kurzem in Frankfurt am Main mit einer Delegation um Landesschülersprecher André Ponzi getroffen. Die Landesschülervertretung hatte bereits vor einigen Monaten verkündet, sie wolle Hausaufgaben abschaffen. Gerade leistungsschwächere Schüler erzielten durch das bloße Wiederholen bereits in der Schule nicht verstandener Inhalte keine Lernerfolge. Daraus resultierend habe sich in Deutschland eine milliardenschwere Nachhilfebranche entwickelt. Darüber hinaus steige dadurch der Leistungsdruck in den Schulen immer stärker und viele Schüler säßen oft mehrere Stunden lang an ihren Hausaufgaben – obwohl im hessischen Schulgesetz das Recht auf individuell nutzbare Freizeit verankert ist. Die Lösung soll nun sein: flexible und eigenständige Vertiefung von Unterrichtsinhalten mit guter Betreuung in der Schule.

„Die Grüne Jugend Hessen spricht sich in ihrem Grundsatzprogramm für eine sozialgerechte Bildungspolitik aus. Klassische Hausaufgaben unterstützen die sozialen Selektionsprozesse innerhalb des Bildungssystems, da diese oft die Betreuung und Unterstützung der Eltern oder teure Nachhilfeangebote zur Bewältigung erfordern. Dies führt dazu, dass vor allem Kinder von Alleinerziehenden, finanziell schwächer gestellten Familien und Migranten besonders benachteiligt werden.“, erklärt die frauenpolitische Sprecherin der Grünen Jugend Hessen, Ann-Christine Herbold, die derzeit Lehramt studiert.

„An Stelle der klassischen Hausaufgaben sollen durch kompetente Fachkräfte betreute, teilweise verpflichtende, teilweise freiwillige Nachmittagsangebote und eine verlässliche Betreuung in den Randstunden stehen.“, ergänzt Landesschatzmeister Felix Martin. „Auch im hessischen Modell „Pakt für den Nachmittag“ sehen wir eine gute Möglichkeit, diese Forderung gerade für die Schulen realisierbar zu machen, die aktuell über ein ausbaufähiges Nachmittagsangebot verfügen. Wir brauchen also flexible Nachmittagsangebote und einen Pool von Aufgaben, die Schülerinnen und Schüler nach ihren eigenen Stärken und Schwächen eigenverantwortlich in der Schule bearbeiten können.“

„In unserem Treffen mit der Landesschülervertretung haben wir den Grundstein für einen gemeinsamen Kampf für ein modernes Bildungssystem und gegen klassische Hausaufgaben gelegt.“, erklären Ann-Christine Herbold und Felix Martin abschließend. „Wir wollen damit auch eine längst überfällige Debatte über unser Bildungssystem, über bessere mediale Ausstattung, frühere Praxissemester im Lehramtsstudium und die sogenannte modularisierte Oberstufe ins Rollen bringen. Schule muss endlich von einem Ort des stumpfen Anhäufens von Wissen zu einem Ort des eigenständigen Lernens und Entdeckens werden. Schule soll nicht in gute und schlechte Schüler sortieren, sondern Stärken herausbilden und fördern sowie Schwächen akzeptieren und ausgleichen.“

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